ENUM-Einführung

Kostenlose Telefonie?

In dieser Anleitung stelle ich eine innovative Möglichkeit vor, wie man von seinem Festnetzanschluss gratis telefonieren und erreicht werden kann. Alle Anschlüsse kann man auf diesem Weg leider noch nicht erreichen, aber es werden immer mehr. Jetzt fragen Sie sich sicher: Wie soll das möglich sein, kostenlose Telefonie? Immerhin haben die Telefonanbieter da doch bestimmt kein Intersse dran, immerhin wollen diese ja ihre Tarife verkaufen und Geld verdienen. Denen käme es äußerst ungelegen, wenn plötzlich jeder weltweit umsonst telefonieren könnte.

Die Technik "ENUM"

Mittels einer Technik namens ENUM ("Telephone Number Mapping", wörtlich übersetzt etwa "Rufnummernzuordnung") bekommt jedermann die Möglichkeit, über einen handelsüblichen Internetanschluss den Provider sozusagen "zu ignorieren" und kostenlos direkt mit dem Zielteilnehmer zu telefonieren.

Ein Großteil der Leute besitzt zumindest in Deutschland mittlerweile einen VoIP-Anschluss, das bedeutet, die Telefonie läuft über die Internetverbindung und sowohl der Telefonie- als auch der Internetanschluss enden am selben Gerät (beispielsweise einer FRITZ!Box).

Dazu ein ziemlich kurzer Exkurs zu Internetverbindungen (Leute, die mit dem Begriff "IP-Adresse" etwas anfangen können, können diesen Abschnitt überspringen): Jedes Gerät, was direkt mit dem Internet verbunden ist (meist der Router) bekommt vom Internetanbieter eine weltweit eindeutige Adresse (IP-Adresse), unter der es erreichbar ist. Ruft man nun eine Webseite auf, wird ein Paket mit eben dieser eigenen Adresse als Absender an diese gesendet. Der Webserver wiederum schickt dann eine Webseite zurück an die Absenderadresse.

An diese IP-Adresse kann man nun aber nicht nur Webseiten schicken, sondern beispielsweise auch die Sprachdaten eines Telefonats - wodurch das Telefonat nicht über den Provider läuft, sondern direkt zum Gesprächspartner( und deshalb auch auf keiner Telefonrechnung auftaucht).

Die meisten Festnetzanschlüsse in Deutschland haben zwar eine Festnetzflatrate, doch mit IP-Telefonie lassen sich beispielsweise auch Auslandsanrufe kostenlos durchführen.

Warum ENUM?

Wofür braucht man nun für diese kostenlose Telefonie etwas wie "ENUM"? Nun, theoretisch könnte man die Telefondaten auch direkt an den entsprechenden Gesprächspartner senden. Aber Telefonnummern wie "0221 1234567" kann man sich erstens besser merken und zweitens einfacher ins Telefon eintippen als die Internettelefonie-Adresse "sip:1234567@sip27.provider1.de".

Daher wurde ENUM entwickelt: ENUM ist eine riesige Datenbank von Einträgen, in welcher genau zugeordnet wird, dass man den Anschluss mit der Telefonnummer "0221 1234567" auch unter der Internet-Adresse "sip:1234567@sip27.provider1.de" erreichen kann.

Der Benutzer bekommt von diesen Datenbankeinträgen im Normalfall nichts mit. Es muss nur ein Mal zugeordnet werden, dass die eigene Telefonnummer +49 221 1234567 eben auch unter einer bestimmten Internetadresse erreichbar ist. Die gesamte Datenbankabfrage und den Anrufaufbau erledigt dann entweder das Telefon, die Telefonanlage oder der VoIP-Router, und der Nutzer wählt weiterhin, wie gewohnt, die Festnetznummer.

Technische Funktionsweise von ENUM

Hier folgt nun eine Erklärung, wie diese Datenbank exakt umgesetzt wird. Für den weiteren Verlauf der Anleitung reicht es aber, zu wissen, dass es eine solche Datenbank gibt.

Die ENUM-Datenbank liegt nicht auf einem einzelnen Server im Internet (dieser wäre wohl aufgrund der Vielzahl an Anfragen schnell überlastet), sondern liegt im verteilten DNS-System

DNS kennt man wahrscheinlich eher als "Übersetzer" zwischen Internetadressen und IP-Adressen (z. B. "google.de" in "192.0.2.63"), man kann im DNS-System aber auch andere Daten speichern - eben diese Telefonnummer-Internetadresse-Zuordnung.

Um eine Telefonnummer im DNS-System abfragen zu können, muss sie zuerst ins richtige Format gebracht werden. Für eine normale Rufnummer im Format "+49 221 1234567" sind dazu folgende Schritte notwendig:

Schickt man nun diese Abfrage an einen DNS-Server, bekommt man beispielsweise folgende Antwort:

1 10 "u" "E2U+sip" "!^.*$!sip:492211234567@sip27.provider1.de:5060!" .
2 10 "u" "E2U+tel" "!^.*$!tel:+492211234567!" .

Diese Einträge bestehen aus mehreren Feldern. Die ersten beiden geben die Reihenfolge an, in der die Einträge verwendet werden sollen. Meist wird das erste Feld hochgezählt und das zweite bleibt gleich. Das dritte und vierte Feld geben an, um welche Adresse es sich handelt. Im Fall "E2U+sip" handelt es sich um eine Internetadresse, im Falle von "E2U+tel" um eine normale Telefonnummer (wenn der Anruf übers Internet fehlschlägt). Als letztes folgt dann die Internetadresse (sip:492211234567@sip27.provider1.de:5060) bzw. die Telefonnummer +492211234567.

Im Beispiel steht an erster Stelle eine SIP-Adresse und an zweiter die "Standard"-Telefonnummer. Das bedeutet, wenn der Anruf an die Internetadresse fehlschlägt, sind Sie trotzdem normal über das Festnetz erreichbar.

Kleinere Probleme mit ENUM

Will man ENUM so verwenden, wie es ursprünglich gedacht war, kann es ein kleines Problem geben:
Ursprünglich sahen die meisten ENUM-Einträge so aus, dass eingehende Internet-Anrufe an den entsprechenden Anschluss beim Telefonie-Anbieter gesendet wurden - in der ENUM-Datenbank stand dann beispielsweise "49221123456@sip.1und1.de", wenn man einen Telefonanschluss bei 1&1 hat.

Die Anbieter mochten das - wie anfangs bereits erwähnt - allerdings nicht so gern - denn wenn jeder kostenlos übers Internet telefoniert, kauft ja keiner mehr die Telefon-Verträge der Anbieter. Also haben mittlerweile ein Großteil der Anbieter direkte Anrufe an die SIP-Adresse "Telefonnummer@sip.1und1.de" gesperrt - eine solche Adresse kann dann nicht mehr angerufen werden, ist also in der ENUM-Datenbank nutzlos.

Aber auch für dieses Problem gibt es eine Lösung: Man schickt den Anruf nicht erst an den Provider, sondern direkt an den eigenen Anschluss. Dazu muss man in seinem Router erst eine DynDNS-Adresse einrichten (im Falle einer FRITZ!Box kann auch die MyFRITZ-Adresse genommen werden, die einfacher einzurichten ist), die dazu dient, dass der Router unter einer festen Adresse erreichbar ist. Diese hat dann beispielsweise das Format "mein-router.dyndns.org". Diese Adresse kann nun anstelle von "sip.1und1.de" in der ENUM-Datenbank eingetragen werden, und die Provider-Sperre ist wirkungslos, weil der Anruf gar nicht beim Provider, sondern direkt im Endgerät eingeht.

Statt vorher sip:492211234567@sip.1und1.de lauten die meisten Einträge also nun sip:492211234567@mein-router.dyndns.org.
Dazu noch zwei Anmerkungen:

VoIP-Spam

Ein weiteres Problem mit ENUM könnte vor allem in der Zukunft, wenn ENUM weiter verbreitet ist, auftreten: Dadurch, dass Anrufe an Telefonnummern mit ENUM-Eintrag komplett kostenlos für den Anrufer sind, könnte das ein willkommenes Ziel für Werbeanrufe werden.

Da ENUM aber momentan noch nicht so weit verbreitet ist, ist mir kein einziger Fall von VoIP-Spam bekannt, und diese Tatsache sollte Sie keinesfalls daran hindern, Ihre Telefonnummer in die ENUM-Datenbank einzutragen. Falls Sie in ferner Zukunft tatsächlich viele Werbeanrufe über ENUM erhalten sollten, lässt sich der ENUM-Eintrag auch wieder entfernen.

Warum wird ENUM nicht genutzt?

ENUM ist ein interessanter technischer Ansatz für kostenlose, weltweite Telefonate. Aber warum hat sich ENUM noch nicht verbreitet und wird kaum genutzt?
Dafür gibt es mehrere Gründe:

Eintragen der eigenen Telefonnummer - Schritt 1

Aber nun genug der Theorie - kommen wir nun zur Erklärung, wie ENUM für den Endbenutzer (also für Sie) eingerichtet werden kann.

Wie oben bereits erwähnt, gibt es zwei Möglichkeiten für einen ENUM-Eintrag: Entweder mit der Adresse des Providers (geht nicht bei allen Providern) [Variante 1] oder mit der eigenen DynDNS-Adresse [Variante 2].

Um herauszufinden, welche der beiden Varianten für Ihren Anschluss am geeignetesten ist, müssen ein paar Fragen geklärt werden:

Habe ich einen VoIP- oder einen ISDN/Analog-Anschluss?
Als erstes sollte geklärt werden, welche Art Anschluss Sie besitzen. Nutzen Sie einen Analog- oder ISDN-Anschluss (oder sind Sie nicht sicher, welche Anschlussvariante Sie besitzen), kommt nur Variante 2 in Frage. Nutzen Sie einen VoIP-Anschluss, kommt eventuell auch die einfachere Variante 1 in Frage.

Unterstützt mein VoIP-Anbieter eingehende SIP-Anrufe?
Nun müssen Sie herausfinden, ob Ihr Provider eingehende Internet-Anrufe sperrt oder nicht. Am einfachsten geht das mit einer kurzen Google-Suche nach "<Providername> SIP-Adresse erreichbar". Erfahren Sie bei dieser Suche, dass die Adresse erreichbar ist, können sie Variante 1 nutzen. Ist die Adresse nicht erreichbar oder erhalten Sie bei Ihrer Suche kein eindeutiges Ergebnis, müssen Sie Variante 2 nutzen.

Finden Sie auf eine der beiden Fragen keine Antwort, gibt es zwei Möglichkeiten:
Entweder, Sie testen die einfache Variante 1 und müssen damit rechnen, dass Sie bei auftretenden Fehlern doch Variante 2 nehmen müssen, oder Sie nehmen direkt Variante 2. Ich empfehle in diesem Fall: Nehmen Sie Variante 2.

Variante 1

Wenn Sie Variante 1 nutzen, muss Ihr Telefonanbieter eingehende Internetanrufe zulassen.
In dieser Anleitung beziehe ich mich auf die FRITZ!Box, da dies der meistverbreiteste Router Deutschlands ist. Variante 1 funktioniert aber auch mit anderen Routern.

Nun muss also die "Domain" für SIP-Adressen Ihres Anbieters herausgefunden werden. Besitzen Sie eine FRITZ!Box, können Sie diese im Web-Interface unter "Telefonie" -> "Eigene Rufnummern" -> "Bearbeiten" -> "Registrar" nachlesen.
Notieren Sie sich ebenfalls den "Benutzername", der für die Anmeldung der Nummer in der Fritzbox verwendet wird.
Achtung: Ist das Auswahlfeld "Eigene Rufnummer für die Anmeldung verwenden" aktiviert, notieren Sie sich den Inhalt des Feldes "Rufnummer" anstelle des Benutzernamens.

Stellen Sie nun die SIP-Adresse zusammen. Diese besteht aus dem Präfix "sip:", dann folgt der Benutzername, dann ein "@" und dann der Registrar. Lautet Ihr Benutzername beispielsweise "max.mustermann" und Ihr Registrar "sip.t-online.de", dann lautet Ihre vollständige SIP-Adresse "sip:max.mustermann@sip.t-online.de".

Notieren Sie sich ebenfalls die fertige SIP-Adresse. Nun muss Ihre Nummer nur noch in die Datenbank eingetragen werden - fahren Sie dazu fort mit Schritt 2. Dort gibt es keine Unterscheidung zwischen Variante 1 und 2 mehr.

Variante 2

Variante 2 muss genutzt werden, wenn Sie keinen VoIP-Anschluss haben, oder wenn Ihr Anbieter keine Internetanrufe zulässt. Leider funktioniert diese Variante nur mit der FRITZ!Box - nicht mit anderen Routern. In Variante 2 müssen Sie sich erneut entscheiden - zwischen Variante 2a und 2b.

Variante 2a nutzen Sie, wenn Ihr Telefonanbieter eingehende Internetanrufe sperrt (oder Sie nicht sicher sind, ob er Sie sperrt). Variante 2b (die etwas schwieriger einzurichten ist) müssen Sie leider nutzen, wenn Sie eine ISDN- oder Analogleitung nutzen.

Navigieren Sie im Webinterface der FRITZ!Box auf die Seite "Telefonie" -> "Eigene Rufnummern". Schauen Sie in die Spalte Anschluss. Steht dort bei Ihrer Telefonnummer "Internet"? Dann können Sie die einfache Variante 2a nutzen. Steht dort "Festnetz"? Dann müssen sie Variante 2b nutzen.

Variante 2a - Gesperrte Anrufe

Wenn Ihr Provider eingehende Anrufe sperrt, müssen Sie Ihre eingehenden Anrufe direkt auf die FRITZ!Box leiten. Navigieren Sie im Webinterface der FRITZ!Box zu "Internet" -> "MyFRITZ!" und legen Sie dort, falls noch nicht erledigt, ein MyFRITZ-Konto an. Ist dieses eingerichtet, muss bei "Status" ein grünes Lämpchen und der Status "Ihre FRITZ!Box ist bei MyFRITZ! angemeldet" sichtbar sein.

Navigieren Sie dann nach "Internet" -> "Freigaben" -> "FRITZ!Box-Dienste". Wenn dort die Option "Internetzugriff auf die FRITZ!Box über HTTPS aktiviert" noch nicht aktiviert ist, aktivieren Sie diese. Dann sollten Sie etwas weiter unten mehrere Textfelder sehen. In einem der Felder sollte eine Adresse wie "https://asdfghjklasdfg.myfritz.net" (auf jeden Fall eine Adresse, die auf "myfritz.net" endet) zu finden sein. Notieren Sie sich diese Adresse (aber ohne das "https://" und ohne eine eventuell vorhandene Zahl am Ende, also "asdfghjklasdfg.myfritz.net").

Wenn die Option "Internetzugriff auf die FRITZ!Box über HTTPS aktiviert" vorher nicht aktiviert war, sollten Sie diese wieder deaktivieren (oder ein sicheres Passwort für das Webinterface vergeben), um unberechtigen Zugriff von außen zu verhindern.

Navigieren Sie nun nach "Telefonie" -> "Eigene Rufnummern" -> "Bearbeiten" und notieren Sie sich den "Benutzername", der für die Anmeldung der Nummer in der Fritzbox verwendet wird.
Achtung: Ist das Auswahlfeld "Eigene Rufnummer für die Anmeldung verwenden" aktiviert, notieren Sie sich den Inhalt des Feldes "Rufnummer" anstelle des Benutzernamens.

Prüfen Sie außerdem, ob das Feld "Anmeldung immer über eine Internetverbindung" aktiviert ist. Ist das Feld nicht aktivierti, aktivieren Sie es, speichern die Änderung und testen, ob die Telefonie noch funktioniert. Alles funktioniert noch? Prima, dann fahren Sie fort mit dem nächsten Absatz. Die Telefonie funktioniert nicht mehr? Entfernen Sie den Haken wieder und benutzen Sie Variante 2b.

Nun können Sie aus den beiden Bestandteilen "Benutzername" und "MyFRITZ!-Adresse" Ihre SIP-Adresse zusammenstellen.
Lautet Ihr Benutzername beispielsweise "max.mustermann" und Ihre MyFRITZ!-Adresse "asdfghjklasdfg.myfritz.net", so lautet Ihre SIP-Adresse "sip:max.mustermann@asdfghjklasdfg.myfritz.net". Notieren Sie sich diese. Nun muss Ihre Nummer nur noch in die Datenbank eingetragen werden - fahren Sie fort mit Schritt 2.

Variante 2b - Analog/ISDN

Wenn Sie von Ihrem Telefonanbieter noch eine Analog- oder ISDN-Leitung bekommen, müssen Sie sich eine SIP-Adresse auf einem anderen Weg besorgen. Öffnen Sie Ihren Internetbrowser und die Webseite "http://ekiga.net". Klicken Sie dort auf den Link "Get a Free SIP-Address".

Füllen Sie dann "Captcha", "First Name", "Last Name" und "Email" wahrheitsgemäß aus und suchen Sie sich einen Benutzernamen und ein sicheres Passwort aus. Notieren Sie sich den Benutzername und das Passwort, beides wird später benötigt. Erstellen Sie dann den Account per Klick auf "Submit".

Schließen sie nun die Ekiga-Webseite und öffnen Sie das Webinterface der FRITZ!Box. Navigieren Sie zu "Telefonie" -> "Eigene Rufnummern" und wählen Sie "Neue Rufnummer". Bei "Telefonie-Anbieter" wählen Sie "Anderer Anbieter", bei "Internetrufnummer" geben Sie Ihre Festnetznummer im Format "492211234567" ein. Für "Benutzername" und "Passwort" nehmen Sie die Ekiga-Zugangsdaten, für "Registrar" geben Sie "ekiga.net" ein. Die restlichen Felder belassen Sie mit den Standardwerten. Folgen Sie den weiteren Schritten zum Anlegen der Rufnummer.

Navigieren Sie nun zu "Telefonie" -> "Telefoniegeräte" und stellen Sie sicher, dass in den Einstellungen jedes Telefoniegeräts entweder "Auf alle Rufnummern reagieren" oder beide Rufnummern (einmal Festnetz und einmal die neu angelegte ekiga.net-Nummer) aktiviert sind.

Die Einrichtung der Fritzbox ist nun erst Mal abgeschlossen. Notieren Sie sich Ihre SIP-Adresse im Format "sip:benutzername@ekiga.net", wobei Sie "benutzername" durch den bei ekiga.net gewählten Benutzernamen ersetzen.
Nun muss Ihre Nummer nur noch in die Datenbank eingetragen werden - fahren Sie fort mit Schritt 2.

Eintragen der eigenen Telefonnummer - Schritt 2

Ihre FRITZ!Box ist nun vorbereitet, um Internetanrufe entgegenzunehmen. Nun müssen Sie nur noch Ihre Telefonnummer in die weltweite ENUM-Datenbank eintragen. Für deutsche Telefonnummern ist diese Eintragung komplett kostenlos.

Öffnen Sie im Webbrowser die Seite "http://www.portunity.de" und klicken Sie dort im Abschnitt "ACCESS" auf "ENUM". Klicken Sie im unteren Teil der Seite auf "Bestellen Sie jetzt Ihre Telefonnummer als ENUM-Domain in unserem Online-Bestellsystem". Keine Sorge, auch wenn auf der Seite von "Bestellsystem" die Rede ist, ist die Registrierung komplett kostenlos. Klicken Sie dann bei "ENUM-Domain" auf "Jetzt bestellen" (wählen Sie nicht den Anlagenanschluss!)

Folgen Sie nun dem Einrichtungsassistent. Dort müssen Sie Ihre persönlichen Daten wie Name, Adresse und E-Mail-Adresse eingeben (diese Daten werden nur für die Datenbankeintragung verwendet - es gibt keine Spam-Mails oder Werbebriefe / Werbeanrufe), ebenso die zu registrierende Rufnummer. Nachdem Sie Ihre Rufnummer eingegeben haben, werden Sie von einem automatischen System einmalig angerufen. Bei diesem automatisierten Anruf wird eine PIN-Nummer vorgelesen, die Sie im Anmelde-Assistenten eingeben müssen. Dieser Anruf mit der PIN dient dazu, um zu überprüfen, ob die Telefonnummer, die Sie registrieren möchten, sich tatsächlich in Ihrem Besitz befindet.

Haben Sie erfolgreich Ihre Rufnummer verifiziert und registriert, können Sie sich in ihrem Portunity-Account einloggen (Wählen Sie beim Login "ISP-Suite"). Wählen Sie dann auf der linken Seite Ihre ENUM-Domain (Rufnummer) aus und klicken Sie dann links unten bei "ENUM DNS-Zonen" auf Ihre Rufnummer.

Auf der rechten Seite unter "Services" muss nun Ihre SIP-Adresse, die Sie sich vorher notiert haben, in die Datenbank eingetragen werden. Wählen Sie in der ersten Zeile als Service "sip" und fügen Sie die Adresse ein (beispielsweise "nutzername@asdfghjkl.myfritz.net") Wählen Sie dann in der zweiten Zeile "tel" und tippen Sie Ihre Telefonnummer im Format "+492211234567" ein. Dieser "tel"-Eintrag dient dazu, dass Sie bei Problemen mit der SIP-Adresse trotzdem erreichbar sind.

Klicken Sie nun auf "Speichern". Nun ist Ihre Telefonnummer in der ENUM-Datenbank registriert (die Fertigstellung der Registrierung kann allerdings (aufgrund der Funktionsweise des DNS) noch einige Stunden dauern) und kann dann von anderen Leuten mit einer entsprechend konfigurierten FRITZ!Box (oder anderer Telefonanlage) kostenlos erreicht werden.

Was ändert sich für mich mit diesem Eintrag?

Ein ENUM-Eintrag in der weltweiten Datenbank verändert an der grundsätzlichen Erreichbarkeit über das Festnetz nichts. Wenn der Anrufer allerdings eine Telefonanlage verwendet, die die ENUM-Datenbank abfragt (zum Beispiel eine FRITZ!Box mit aktivierter ENUM-Abfrage), sendet die Anlage das Gespräch nicht über den eigenen Festnetzanschluss, sondern direkt über das Internet ans Ziel. Dadurch ist der Anruf kostenlos.

Sie sind aber natürlich trotzdem problemlos über das Festnetz von allen Anschlüssen erreichbar. Auch, wenn Ihre Internetverbindung mal nicht funktionieren sollte oder Ihr ENUM-Eintrag fehlerhaft ist, bleiben sie erreichbar - wenn ein Telefon mit dem ENUM-Eintrag aus irgend einem Grund keine Verbindung herstellen kann, wird die Verbindung über das Festnetz geleitet.

Dieser Eintrag in der ENUM-Datenbank ist nicht zwingend notwendig, um andere Leute über ENUM anzurufen. Aus zwei Gründen ist er aber dennoch dringend empfohlen:

Abfragen der Datenbank

Nun sind Sie kostenlos für andere ENUM-Teilnehmer erreichbar und wollen bestimmt wissen, wie Sie wiederum andere Teilnehmer kostenlos erreichen können. Diese Funktionalität existiert zwar in der Software der FRITZ!Box, wurde aber vom Hersteller deaktiviert. Mit einer kleinen Modifikation einer Einstellungsdatei der FRITZ!Box kann diese vom Hersteller deaktivierte Funktion allerdings trotzdem aktiviert werden. Diese Modifikation der FRITZ!Box ist komplett ohne Garantieverlust durchführbar.

Als erstes muss auf der FRITZ!Box die "Telnet-Konsole" freigeschaltet werden - eine Konsole, in welcher erweiterte Einstellungen vorgenommen werden können, die über das Web-Interface nicht sichtbar sind.

Wählen Sie dazu auf einem mit der FRITZ!Box verbundenen Telefon die Zeichenfolge "#96*7*". Nun sollte die Telnet-Konsole freigeschaltet sein. Um auf die Konsole zugreifen zu können, müssen Sie Telnet noch in Ihrem Rechner aktivieren. Öffnen Sie dazu in der Systemsteuerung die Option "Programme und Funktionen", wählen dort die Schaltfläche "Windows-Funktionen aktivieren oder deaktivieren" und aktivieren dort den "Telnet-Client".

Bevor Sie nun die eigentliche Modifikation vornehmen, sollten Sie die Einstellungen der FRITZ!Box sichern, damit im Fehlerfall alle Einstellungen wiederherstellen können. Öffnen Sie dazu das Webinterface der FRITZ!Box, wählen Sie "System" -> "Sichern" -> "Sicherung" und erstellen Sie eine Sicherung mit Passwort. Merken Sie sich dieses Passwort (am besten notieren Sie es im Dateinamen) und speichern die Datei an einem sicheren Ort.

Öffnen Sie eine Kommandozeile (cmd.exe) und geben Sie "telnet fritz.box" (oder die entsprechende IP ihrer FRITZ!Box) ein. Eventuell werden Sie nach einem Passwort gefragt - geben Sie das Passwort des Webinterfaces ein. Tippen Sie den Befehl "nvi /var/flash/voip.cfg" ein. Eine Textdatei öffnet sich. Geben Sie dort "/enum" ein und drücken Sie Enter - der Cursor sollte nun auf der Zeile "enum_support_enabled" stehen. Drücken Sie nun "Esc" und dann Shift+R. Ändern Sie den Wert von "no" auf "yes". Belassen Sie dabei unbedingt das Semikolon am Ende der Zeile. Durch Drücken von "Esc" verlassen Sie den Editiermodus, mit ":wq" und abschließendem Enter wird die Datei gespeichert.

Schließen Sie das Telnet-Fenster und starten Sie die FRITZ!Box neu (durch kurzzeitiges Trennen der Stromversorgung). Nach erfolgtem Neustart sollten sie den Telnet-Dienst auf der FRITZ!Box durch Wählen von "#96*8*" wieder abschalten, denn er wird im Normalfall nicht benötigt.

Nun sollten ENUM-Abfragen in Ihrer FRITZ!Box aktiviert sein, und Anrufe an Telefonnummern, die in der ENUM-Datenbank eingetragen sind, kostenlos sein. Testen können Sie das folgendermaßen:

Wählen Sie die Rufnummer +43 720 0101011. Auch wenn sich diese Nummer nicht in Deutschland befindet - ein Anruf ist in jedem Fall kostenlos.
Wenn Sie die ENUM-Abfrage erfolgreich aktiviert haben, läuft das Gespräch direkt über das Internet zum Gesprächspartner und Sie hören vom Betreiber dieser Rufnummer die Ansage "ENUM" und etwas Musik.
Wenn die ENUM-Abfrage nicht erfolgreich aktiviert wurde (und Ihre FRITZ!Box die Auslandsnummer über das Festnetz anruft), meldet diese Rufnummer ein "besetzt". Es entstehen also mit dieser Testrufnummer in keinem Fall irgendwelche Kosten.

Der Anruf an diese Nummer war erfolgreich?
Dann haben Sie die ENUM-Abfrage erfolgreich aktiviert und können nun alle ENUM-registrierten Nummern kostenfrei erreichen. Das einzige, was es nun noch zu tun gäbe, wäre eine Überprüfung, ob auch eingehende ENUM-Anrufe nun ordnungsgemäß funktionieren. Lesen Sie dazu weiter bei Eingehende ENUM-Anrufe prüfen.

Der Anruf an diese Nummer war nicht erfolgreich?
Wenn der Anruf auf die Testnummer nicht erfolgreich war, haben Sie bei der ENUM-Aktivierung einen Fehler gemacht. Lesen Sie das Kapitel Abfragen der Datenbank erneut und prüfen Sie, ob sie alle beschriebenen Schritte erfolgreich durchgeführt haben.

Eingehende ENUM-Anrufe prüfen

Nun haben Sie Ihre Telefonnummer in die ENUM-Datenbank eingetragen und können andere Teilnehmer in der Datenbank kostenfrei anrufen. Das einzige, was es nun noch zu tun gibt, ist zu prüfen, ob andere Leute Sie auch kostenfrei anrufen können. Am sinnvollsten wäre diese Prüfung, wenn Sie auf einer anderen FRITZ!Box (eventuell bei Freunden, Bekannten, ...) ebenfalls deren Telefonnummer in die Datenbank eintragen und die Datenbankabfrage aktivieren. Dann prüfen Sie später im Einzelverbindungsnachweis, ob Verbindungen zu dieser Telefonnummer noch berechnet wurden.

Beachten Sie aber, dass die Eintragung der Nummer in die ENUM-Datenbank bis zu einem Tag dauern kann. Funktioniert die Verbindung nach der Einrichtung nicht direkt, warten Sie 24 Stunden und versuchen Sie es erneut.

Wenn Sie keine Gelegenheit haben, ENUM auf einer anderen FRITZ!Box zu aktivieren (oder der erste Test mit einer anderen ENUM-Nummer fehlschlägt), aber trotzdem (kurzfristig) Zugang zu einem anderen Telefonanschluss mit FRITZ!Box haben, können sie auch Ihre SIP-Adresse im Format "benutzername@domain.de" (genau die selbe, die sie bei Portunity in die ENUM-Datenbank eingetragen haben) in das Telefonbuch eintragen und diesen Telefonbucheintrag anrufen. Klingelt dann Ihr Telefon, war die Einrichtung wahrscheinlich erfolgreich. Klingelt Ihr Telefon nicht, probieren Sie die Einrichtung am besten erneut mit Variante 2a. Klingelt Ihr Telefon, dann wird wahrscheinlich auch der ENUM-Eintrag erfolgreich angelegt worden sein.

Einrichten der Datenbankabfrage in anderen Geräten

Die meisten Privatpersonen werden wohl eine FRITZ!Box als Telefonanlage nutzen. Trotzdem möchte ich in dieser Anleitung erwähnen, wie man auch anderen Telefonanlagen oder Geräten (beispielsweise der Open-Source-Telefonanlage "Asterisk") die Benutzung der ENUM-Datenbank beibringen kann.

ENUM in Asterisk 1.8

Eingehende Anrufe

Die grundlegenen ENUM-Funktionen sind in Asterisk bereits vorhanden. Um über ENUM erreicht zu werden, reicht es, in der Einstellungsdatei "sip.conf" den Parameter "allowguest" auf "yes" zu setzen. Dabei muss aufgepasst werden, dass im default-Kontext keine externen Anrufe durchgeführt werden können. Wissen Sie nicht genau, wie dies sichergestellt werden kann, sollten Sie eine Asterisk-Spezialisten zur Hilfe nehmen. Wenn "allowguest" aktiviert ist und Asterisk nicht korrekt konfiguriert ist, kann es passieren, dass Angreifer über Ihren Asterisk-Server (und damit auf Ihre Rechnung) ins Ausland telefonieren.

Nun muss in der "extensions.conf" im default-Kontext ein Eintrag für eingehende Anrufe eingerichtet werden. Dieser kann z. B. folgendermaßen aussehen:

exten => 492211234567,1,Dial(SIP/1001,120)

Dadurch werden eingehende ENUM-Anrufe an "sip:492211234567@ip-des-asterisk" an das Telefon 1001 weitergeleitet und Sie sind kostenfrei per ENUM erreichbar. Für den ENUM-Eintrag sollte natürlich nicht die dynamische IP, sondern ein Hostname eingetragen werden.

Ausgehende Anrufe

Ausgehende ENUM-Anrufe mit Asterisk erfordern einige Zeilen mehr in der "extensions.conf". Asterisk bringt zwar eine Funktion zur Abfrage der Datenbank mit, diese ist aber nicht vollständig. Erstens wird nur die "offizielle" Datenbank abgefragt, in der aber leider nicht alle ENUM-Nummern eingetragen sind, zweitens werden die Prioritäten fehlerhaft behandelt. Daher fügen Sie am besten folgendes Makro in Ihren Wählplan ein: Makro

Haben Sie dieses Makro in Ihren Wählplan eingefügt, können Sie die Abfrage mit folgendem Eintrag aktivieren:

exten => _X.,1,Macro(enum,${EXTEN},provider1)

Als erster Parameter muss dem Makro die anzurufende Nummer übergeben werden, als zweiter Parameter die Leitung, über die der Anruf geleitet werden soll, wenn kein ENUM-Eintrag gefunden wird.